Foto: Dietmar Lampe

Foto: privat

Foto: Kloster Loccum

Foto: Michael Merkel

Foto: Kloster Loccum

Passionsmusical 2012

"Es ist vollbracht"

Foto: Ralf Lehmann. Ines Plinke als Jesus

Kinder erzählten in beeindruckender Weise die Geschichte vom Leiden und Sterben Jesu

Es strömte nur so in die „Halle für alle“. 400 Stühle hatten die dienstbaren Geister in der alten Loccumer Sporthalle bereitgestellt – und mussten bis zum Vorstellungsbeginn unaufhörlich weitere Stühle herbeischleppen. Denn mindestens 434 Interessierte nahmen Platz – die Kinder in den Gängen und direkt vor der Bühne nicht mitgezählt.

Auf der Bühne agierten 49 Kinder und Jugendliche, hinter der Bühne, in Band und Technik, an der Kasse und beim Catering etwa 40 weitere Aktive, so dass insgesamt über 500 am Sonntag Palmarum auf den Beinen waren, um die Aufführung des Kindermusicals „Es ist vollbracht“ von Thomas Riegler zu Beginn der Karwoche mitzuerleben. Schon von Beteiligung und Interesse her ein Riesenerfolg!
Was bekamen die rund 450 Zuhörer vom Kleinkind bis zum stolzen Opa fast zwei Stunden lang zu sehen und zu hören?

Eine perfekte Gemeinschaftsleistung!

„Schon das Bühnenbild“ und die Requisiten „lohnten das Kommen“, so Christine Breuer-Völkel. Die Spielszenen, Lieder und Chöre waren sorgfältig einstudiert, “saßen“ und wurden mit Begeisterung vorgetragen. Gruppen wie zum Beispiel Händler im Tempel, Priester, Soldaten oder Jünger Jesu und Bewohner Jerusalems waren in ihren bunten Kostümen und ihrem konzentrierten Spiel gut anzuschauen. Die Einzelrollen wie Jesus, Hoherpriester, Pilatus, Petrus, Judas oder Hauptmann übernahmen Jugendliche in geradezu idealer Besetzung. Sie spielten und sangen mit Ernst und Hingabe, so dass das Publikum aufmerksam und gebannt folgte. Ein Team von Musikern bildete die begleitende Band, und zwar so gut abgestimmt mit den Solisten und Chören auf der Bühne, dass eine Zuhörerin weiter hinten, die die Band quasi im Graben nicht sehen konnte, meinte, die ganze Musik komme vom Band, so perfekt könne Live-Musik nicht sein…

 

Foto: Michael Flämig. Wiebke Behrend mit Freude bei der Sache.

 Bravo für das Team

Bei der Generalprobe noch hatte Wiebke Behrendt (Foto unten) keine ruhige Minute gehabt; sie führte die Spieler, gab Anweisungen, lobte, verbesserte, sorgte dafür, dass jeder auf der Bühne zur rechten Zeit das richtige Mikrofon in der Hand hatte - und auch ins Mikrofon sprach usw. - Bei der Aufführung konnte sie äußerlich ruhig zusehen, weil alles saß und gut lief. „Was machen wir, wenn es an dieser Stelle schief geht?“ Diese Frage in Richtung Ton- und Licht-Regie während der Generalprobe stellte sich in der Aufführung nicht; es lief wie am Schnürchen. Erst beim Schlussapplaus kamen sie und die bis dahin fast unsichtbaren Mitwirkenden zum Vorschein.

Sie hatten geschneidert, das Bühnenbild gebaut und gemalt, Requisiten besorgt, organisiert, einstudiert, Regie geführt, die Proben begleitet, den Workshop betreut usw. - kurz: alle Hände voll zu tun gehabt. Einer allein kann eine so eine aufwendige Aufführung nicht auf die Beine stellen - auch nicht ein so begabter und inspirierender Kantor wie Michael Merkel (Foto rechts). Nicht zuletzt sein Verdienst ist es, so viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene, ja ganze Familien motiviert und zu einem Hand-in-Hand-Arbeiten verbunden zu haben; aber nicht sein Verdienst allein.
Da hat sich – nun schon zum dritten Mal nach „König David“ und „Die Schrift an der Wand“ – ein leistungs- und begeisterungsfähiges, großes, neues Team gebildet. Bravo! Ein Hoch auf seine Gemeinschaftsleistung!

Ein teurer Spaß

Teuer war’s freilich! Nicht der Eintritt. Der war bewusst niedrig gehalten, sollte niemanden hindern zu kommen.
Doch das ganze Unternehmen war teuer. Vor allem die Miete der „Halle für alle“ mit Bestuhlung, die professionelle Licht- und Tontechnik schlugen zu Buche. Doch im Nachhinein waren diese Ausgaben gut angelegtes Geld. Nicht auszudenken, wenn die Technik mangelhaft und die monatelangen Mühen im entscheidenden Augenblick für die Katz gewesen wären!
Die Sponsoren (Stadt Rehburg-Loccum, Kirchenkreis Stolzenau-Loccum, Landeskirche Hannovers, Sparkasse Nienburg, Volksbank Steyerberg, Duprès-Kollmeyer, Landschaftsverband Weser-Hunte und weitere, die aber nicht genannt werden wollen,) machten diese aufwendige, professionelle Ausstattung möglich. Ihnen sei Dank!

Freude und Stolz überwiegen

Ob Zuschüsse und Einnahmen reichen zur Deckung oder die veranstaltende Musikvereinigung am Kloster die von ihr gegebene Ausfallgarantie berappen muss, ist noch nicht bekannt. Aber auch dann, wenn sie ein verbleibendes Defizit abdecken muss, freut sie sich über das Engagement so vieler mitwirkender Kinder, Jugendlicher und Eltern, über die glänzende Aufführung am 1. April (obwohl nur 1 Auftritt bei so viel Mühe und Kosten eigentlich zu wenig ist), freut sich über den Besucherstrom und das neue, bestens bestellte Feld der Kirchenmusik. -
„Das ist aber keine Kirchenmusik“, hörte ich in der Pause einen älteren Herrn auf Platt sagen – und damit dem Vorsitzenden der Klingenden Steine widersprechen, der in seiner Begrüßung zu Beginn darauf abgehoben hatte, dass heute nicht Johann Sebastian Bach, sondern Kirchenmusik der Gegenwart zu hören sei.

 

Foto: Michael Flämig. Michael Merkel bei der Ansage.

Ist das nun Kirchenmusik oder nicht?

Der Stiftskantor selber antwortet darauf: „Den Vorwurf musste sich schon Johann Sebastian Bach anhören, seine großen Passionen seien „keine Kirchenmusik“, sondern „Opern in der Kirche“. Die musikalischen Stile haben sich stets gewandelt. Das ist nun die Musik, die heute von Kindern gern gehört und gesungen wird. Natürlich sind Elemente der Popularmusik aufgenommen und szenische Elemente eingefügt. Aber „dem Volk aufs Maul schauen“, wie Luther es für das Übersetzen empfahl, das haben die Komponisten jeder Zeit auch bei den musikalischen Formen getan. Zum Beispiel hat Hans Leo Haßler das seinerzeit gängige Liebenslied „Mein G’müt ist mir verwirret, das macht ein Jungfer zart“ umgeformt zum Choral „O Haupt voll Blut und Wunden“. Das Musical „Es ist vollbracht“ ist schon wegen seiner Botschaft „Kirchenmusik“, es vermittelt das Evangelium, ja es ist Kirchenmusik im besten Sinne, weil es das Evangelium den Kindern ganz nahe gebracht hat, näher als es Lieder allein vermögen.“
Mit den Mitteln eines Musicals - für ältere Ohren ungewohnte Klänge und Rhythmen, Stilformen und Besetzungen, aber für jüngere Ohren und Stimmen gerade ansprechend und zum Mitmachen lockend. Die Bandbreite von Kirchenmusik heute ist überraschend groß. Ihrer Vielfalt gerade in Loccum Raum zu geben neben traditionellen, gewohnten Formen, ist Anliegen der Musikvereinigung Klingende Steine.

Das Musical verkündigt Passion und Auferstehung Jesu

Schon vom behandelten Stoff her – der Leidensgeschichte Jesu vom Einzug in Jerusalem angefangen über das Abendmahl, die Verhaftung, die Verhöre und Verurteilungen, die Kreuzigung bis zum vorwegnehmenden Hoffnungslied von der Auferstehung – ist das Musical „Es ist vollbracht“ mit seinen zwölf Szenen packende musikalische und dramatische Verkündigung. Neben der oben gewürdigten Gemeinschaftsleistung war die Umsetzung der ernsten Passionsgeschichte durch Kinder, Jugendliche und anleitende Erwachsene schlichtweg bewundernswert.
Und es hätte so leicht daneben gehen, zentrale Glaubensinhalte der Christen verkitschen können… Aber nein, es ging unter die Haut. Der Ernst und die Hingabe der Jugendlichen und Kinder, mit denen sie in ihre Rollen schlüpften, spielten und sangen, ergriffen die großen und kleinen Zuhörer. - Hut ab!

Am Rand geschehen - und doch keine Nebensache

Zwei Beobachtungen zum Schluss. In der Pause nach der fünften Szene wurden an der Hallenseite „Fastenspeisen“ und Getränke angeboten. Das sollte die Einnahmesituation verbessern, so der Kantor, bot aber auch willkommene Stärkung und Gelegenheit, zum Gelingen des Ganzen beizutragen. Ideen und Initiativen satt!
Buchstäblich fertig bat der Stiftskantor am Ende der Vorstellung um zupackende Hände. Die Halle müsse sogleich geleert und aufgeräumt werden…
Im Nu waren die 434 Stühle gestapelt und abtransportiert, die Verdunkelungsvorhänge vor den Oberfenstern von Heinzelmännern fachmännisch abgetakelt usw. – Zum Staunen bis zuletzt!


„Wenn viele kleine Leute an vielen Orten viele kleine Schritte tun, wird sich das Gesicht der Erde – auch der Kirchenmusik! – verändern.“

Text: Michael Flämig